Das Kapital einer Stiftung wirkt immer mit, durch die Projekte, die es finanziert und durch die Art, wie es angelegt wird. Eine glaubwürdige Anlagestrategie bringt deshalb Stiftungszweck, Rendite, Risiko und Werte in Einklang.
Stiftungen werden an der Wirkung ihrer Projekte gemessen – aber zunehmend auch daran, wie sie ihr Vermögen anlegen. Dabei stellt sich die Fragen, wie konsequent eine Stiftung ihren Stiftungszweck bei der Bewirtschaftung ihres Vermögens verfolgen möchte.
Die Frage geht weit über den häufig genannten Ausschluss von Tabakunternehmen bei Stiftungen mit dem Zweck der Gesundheitsförderung hinaus. Sie stellt sich beispielsweise bei Investitionen in fossile Energie durch Stiftungen, die den Klimaschutz fördern, oder bei Beteiligungen an Pharmaunternehmen trotz des Engagements für einen bezahlbaren Zugang zu Medikamenten.
Aktuell sind auch renditeoptimierte Investitionen in Immobilien von sozial ausgerichteten Stiftungen. Solche Zielkonflikte zeigen, dass sich eine glaubwürdige Anlagestrategie nicht allein mit Ausschlusslisten erreichen lässt. Stiftungen müssen klären, was ihr Vermögen leisten soll und wie Zweck, Rendite, Risiko und das individuelle Werteverständnis zusammenspielen.
Wenn Zweck und Vermögen zusammenspielen
Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo drei Elemente zusammenpassen: Zweck und Werte, Anlagestrategie sowie transparente Kommunikation. Für Stiftungen heisst das: Die Anlagetätigkeiten einer Stiftung sollen den gemeinnützigen Zweck langfristig sichern – und ihm zumindest nicht widersprechen. Dabei geht es nicht um Ideologie, sondern um eine professionelle Balance zwischen dem langfristigen Erhalt des Stiftungsvermögens, Rendite, Risiko und persönlichen Werten.
Viele Organisationen fühlen sich von Nachhaltigkeits-Diskussionen im Anlagekontext zunächst überfordert. Notwendig ist jedoch kein perfektes Nachhaltigkeitskonzept, sondern ein klarer erster Schritt.
Sara Huber Sigrist, Leiterin Stiftungen bei der Zürcher Kantonalbank

Drei Hebel haben sich in der Praxis bewährt:
1. Klare Anlagegrundsätze
Professionelle Anlagerichtlinien beantworten drei Kernfragen:
Welche Rendite strebt die Stiftung an, um ihren Zweck, die jährlichen Fördermittel und die Kaufkraft des Vermögens langfristig zu sichern?
Welches Risiko ist hinsichtlich Zweck, Zeithorizont, Verpflichtungen und Risikofähigkeit tragbar – auch in schwierigen Marktphasen?
Welche Liquidität wird benötigt, um zugesagte Projekte, laufende Kosten und allfällige Reserven jederzeit finanzieren zu können?
Auf dieser Basis werden Anlageziele, Rendite-/Risikoprofil und die strategische Asset Allokation (z.B. Aktien, Obligationen, Immobilien, Liquidität) festgelegt.
2. Nachhaltigkeit mit Augenmass
Nachhaltigkeit beginnt nicht zwingend mit einer langen Ausschlussliste. Entscheidend ist zunächst die Frage, welche Aspekte für den jeweiligen Stiftungszweck tatsächlich relevant sind. So können es für eine Gesundheitsstiftung andere sein als für eine Umwelt- oder Sozialstiftung.
Daraus lassen sich konkrete Anlagegrundsätze ableiten; beispielsweise Ausschlüsse bestimmter Geschäftsfelder, Mindeststandards für Fonds oder gezielte wirkungsorientierte Anlagen. Dabei können Zielkonflikte entstehen: Eine stärkere Ausrichtung am Stiftungszweck kann das Anlageuniversum einschränken oder Auswirkungen auf Kosten, Liquidität und Diversifikation haben. Diese Konsequenzen sollten bewusst abgewogen werden. Nachhaltigkeit wird damit nicht zum Selbstzweck, sondern zum Bestandteil der Anlagestrategie.
3. Transparenz statt Perfektion
Vertrauen entsteht, wenn Stiftungen offenlegen, nach welchen Grundsätzen sie investieren – auch wenn noch nicht alles „grün“ ist. Ein Minimal-Set im Jahresbericht umfasst: einige Sätze zur Anlagestrategie (inklusive Rendite-/Risikohaltung), den Umgang mit Nachhaltigkeit und einen ehrlichen Ausblick, etwa: „Im kommenden Jahr überprüfen wir unsere Anlagekriterien und definieren, welche Nachhaltigkeitsanforderungen künftig für das gesamte Portfolio gelten sollen.
Was ein Bankpartner leisten sollte
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Bankpartner. Gefragt ist ein Gegenüber, das Stiftungen ganzheitlich denkt: mit Verständnis für Stiftungszwecke und Governance, ausgewiesener Kompetenz in Rendite-/Risikofragen und Nachhaltigkeit sowie transparenten Reportings zu Kosten, Risiken und Nachhaltigkeit. Ein guter Bankpartner übersetzt diese Anforderungen gemeinsam mit der Stiftung in eine umsetzbare Anlagestrategie, zeigt Zielkonflikte und deren finanzielle Konsequenzen auf und schafft mit einem transparenten Reporting die Grundlage für regelmässige Entscheidungen des Stiftungsrats.
Eine Anlagestrategie ist damit mehr als eine finanzielle Entscheidung. Sie zeigt, wie eine Stiftung ihren gemeinnützigen Zweck, ihre Verantwortung für das Vermögen und ihre Werte miteinander verbindet. Eine Stiftung, die Zweck, Rendite-/Risikoprofil und Werte in ihrer Anlagestrategie zusammenführt, stärkt nicht nur Wirkung und Vermögen – sondern vor allem das Vertrauen in die Stiftung und ihre Reputation: Das Kapital wirkt in diesem Sinne mit – und sendet ein Signal, wofür die Stiftung langfristig wirklich steht.
Fragen zur Anlagestrategie Ihrer Stiftung? Wir beraten Sie gerne.
Sara Huber Sigrist verantwortet den Bereich Stiftungen bei der Zürcher Kantonalbank. Sie und ihr Team unterstützen und begleiten gemeinnützige Organisationen als verlässlicher Bankpartner in sämtlichen Belangen der finanziellen Führung. Das Expertenteam entwickelt umfassende konzeptionelle Lösungen, die die relevanten Strategie- und Governance-Aspekte berücksichtigen – mit Fokus auf der Vermögensverwaltung, jedoch auch auf Finanzierungen und das gesamte weitere Bankdienstleistungsangebot.
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