Wem gehört eigentlich ein Unternehmen? Die deutsche Drogeriekette dm liefert eine überraschende Antwort: zur Hälfte einer Stiftung, zur anderen Hälfte einem Milliardär. Auch in der Schweiz zeigen Rolex und Victorinox, wie Unternehmerfamilien ihr Lebenswerk langfristig sichern und welche Rolle Stiftungen dabei spielen können.
Als dm-Gründer Götz Werner seine Nachfolge regelte, entschied er sich gegen eine klassische Vererbung seines Unternehmensvermögens. Er übertrug seine Beteiligung an die gemeinnützige dm-Werner-Stiftung, die er 2005 gegründet hatte. Seine sieben Kinder erhielten keine direkten Unternehmensanteile. Sein Geschäftspartner Günther Lehmann wählte einen anderen Weg: Er übergab seine Anteile 2016 an seinen damals 14-jährigen Sohn Kevin David Lehmann, der dadurch zu einem der jüngsten Milliardäre der Welt wurde.
Zwei unterschiedliche Entscheidungen, die eine grundsätzliche Frage aufwerfen: Soll unternehmerisch geschaffenes Vermögen innerhalb der Familie bleiben oder langfristig einem übergeordneten Zweck dienen?
Schweizer Parallelen: Rolex und Victorinox
Auch in der Schweiz sind solche Eigentümermodelle bekannt. Ein prominentes Beispiel ist der Uhrenhersteller Rolex. Das Unternehmen gehört der 1945 gegründeten Fondation Hans Wilsdorf. Die Stiftung sichert die langfristige Unabhängigkeit des Unternehmens und unterstützt mit dessen Erträgen gemeinnützige Projekte in Bereichen wie Bildung, Kultur, Soziales und Gesundheit. Damit verbindet sie wirtschaftliches Eigentum mit philanthropischer Tätigkeit.
Einen vergleichbaren Weg ging die Unternehmerfamilie Elsener. Sie überführte das Traditionsunternehmen Victorinox im Jahr 2000 in zwei Stiftungen. Die Victorinox-Stiftung hält 90 Prozent der Unternehmensanteile und soll die wirtschaftliche Unabhängigkeit sowie den langfristigen Fortbestand des Unternehmens sichern. Die übrigen zehn Prozent gehören der gemeinnützigen Carl und Elise Elsener-Gut Stiftung, die soziale und karitative Projekte unterstützt. Mit dieser Struktur wollte die Familie verhindern, dass Erbteilungen oder individuelle finanzielle Interessen die Zukunft des Unternehmens gefährden.
Dies sind nur zwei Beispiele einer langen Reihe von Fällen, in denen Unternehmertum und gemeinnützige Wirkung über Stiftungskonstruktionen verbunden werden. Gerade im Fokus war auch die Kühne Stiftung, deren Stifter jüngst verstorben ist, womit in Kürze europaweit eine der grössten Stiftungen entstehen wird.
Stiftungen als Unternehmenseigentümerinnen
Die beiden Beispiele verdeutlichen, dass Stiftungen weit mehr sein können als klassische Förderorganisationen. Als Unternehmenseigentümerinnen übernehmen sie wirtschaftliche Verantwortung, sichern Vermögen über Generationen hinweg und können gleichzeitig gesellschaftliche Wirkung ermöglichen. Insbesondere bei der Nachfolgeplanung eröffnen solche Modelle Alternativen zur traditionellen Weitergabe innerhalb der Familie oder zum Verkauf an externe Investoren.
Allerdings bedeutet Stiftungseigentum nicht automatisch Gemeinnützigkeit. Während manche Stiftungen in erster Linie den Fortbestand eines Unternehmens sichern, verfolgen andere ausdrücklich gemeinnützige Ziele. Entscheidend sind der jeweilige Stiftungszweck, die Governance und die tatsächliche Verwendung der Erträge. Auch Fragen der Transparenz und der Kontrolle gewinnen an Bedeutung, wenn Stiftungen bedeutende wirtschaftliche Vermögenswerte verwalten.
Wem soll das Vermögen langfristig dienen?
Angesichts anstehender Unternehmensnachfolgen und generationenübergreifender Vermögensübertragungen könnten solche Eigentümermodelle auch in der Schweiz verstärkt ins Blickfeld rücken. Sie bieten Unternehmerfamilien die Möglichkeit, ihr Lebenswerk langfristig zu sichern und gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung institutionell zu verankern.
Die Beispiele dm, Rolex und Victorinox zeigen, dass Eigentum nicht zwingend an einzelne Personen oder Generationen gebunden sein muss. Vielmehr kann es so ausgestaltet werden, dass wirtschaftliche Kontinuität und gesellschaftliches Engagement langfristig Bestand haben. Für die Philanthropie eröffnet dies eine Perspektive, die über die klassische Vergabe von Fördermitteln hinausgeht. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wem ein Unternehmen gehört, sondern auch, welchem Zweck sein Vermögen langfristig dienen soll.
Themendossier Corporate Philanthropy
Quelle und Inspiration: Wem gehört dm? Eigentümer und Stiftung der Drogeriekette

