Am 1. Oktober, am europäischen Tag der Stiftungen, haben sich im Zürcher Kongresshaus weit über 300 Teilnehmer:innen auf Einladung des Vereins Stiftungsstandort Zürich eingefunden, um sich zu vernetzen, Lösungen zu diskutieren, über das eigene Handeln zu reflektieren und dessen Wirkung zu bewerten. Ein Fokus Thema war die Entwicklungszusammenarbeit.
Ernst Stocker, Vorsteher der Finanzdirektion des Regierungsrats des Kantons Zürich, überbrachte das Grusswort und gab sich beeindruckt von der grossen Resonanz. Stocker unterstrich, dass er den direkten Austausch mit Stiftungsvertreter:innen schätze. Er bekräftigte seine Überzeugung, dass Philanthropie eine Innovationstreiberin sei und private Unterstützung von Institutionen sehr willkommen seien. Stocker hob hervor, dass Vertrauen die Grundlage sowohl für Stiftungen als auch für den Staat darstelle und dass ein grundlegendes Prinzip gelte: Privatpersonen dürften alles tun, was nicht verboten sei, während der Staat nur das tun dürfe, was ihm ausdrücklich erlaubt sei.

Wissenschaft und Entwicklungszusammenarbeit
Assistenzprofessorin Dina Pomeranz schlug in ihrem Inputreferat die Brücke zwischen Wissenschaft und praktischer Entwicklungszusammenarbeit. Wissenschaftler:innen würden Forschungen durchführen, während Organisationen Programme implementierten. Traditionell würden diese Bereiche isoliert arbeiten. Dies führt zu wertvollen, aber ungenutzten Erkenntnissen. Die Zusammenarbeit verbinde akademische Expertise mit realweltlichen Herausforderungen und schaffe damit Grundlagen für evidenzbasierte Veränderungen. Heute ermöglicht es, so Pomeranz, die Digitalisierung, massive Datenmengen zu verarbeiten. Zudem liefern revolutionäre Messmethoden wie randomisierte Studien echte kausale Wirkungsnachweise. Sie erwähnte das Projekt Teaching at the Right Level, das heute bereits über 60 Millionen Kindern helfe. Solche Erfolge entstünden durch bewusste Partnerschaft von Forschung, Implementierung und Finanzierung. Der gegenseitige Nutzen sei greifbar, doch es brauche Investitionen in rigoros evaluierte, lokal verankerte Lösungen für solche globale Herausforderungen.

Ein vertiefter Blick auf die Internationale Zusammenarbeit IZA in einer Themenwerkstatt ging der Frage nach, wie Stiftungen und NGOs den weltweiten Kürzungen der öffentlichen Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit begegnen können.
Vier Perspektiven auf die Philanthropie im Kanton Zürich
Die Podiumsdiskussion brachte vier Perspektiven auf die Philanthropie im Kanton Zürich zusammen. Moderatorin Kathrin Hönegger, Moderatorin und Journalistin, SRF führt das Gespräch zwischen Ernst Stocker, Regierungsrat des Kantons, Vorsteher der Finanzdirektion, Beate Eckhardt, Stiftungsrätin bei ZKB Philanthropie Stiftung, Simon Sommer, CEO Jacobs Foundation und Friederike Rass, ehemalige Gesamtleitung von Sozialwerk Pfarrer Sieber.

Man war sich einig, dass sich die Rahmenbedingungen für das Stiftungswesen verbessert haben. Gleichzeitig wurde aber auch noch erheblicher Handlungsbedarf festgestellt. Beate Eckhardt warf ein, dass viele andere Kantone mit unternehmerischen Fördermodellen liberaler umgingen, was im Standortwettbewerb einen Vorteil für diese darstellt. Sie forderte noch klarere und liberalere Rahmenbedingungen. Stocker entgegnete, pragmatischer zu werden und nicht bei der ersten Ablehnung zu verharren, sondern sich gemeinsam auseinanderzusetzen. Dabei sei Gleichbehandlung wichtig, egal wie gross eine Stiftung sei. Der Kanton Zürich sei, so Stocker, stärker exponiert als andere Kantone. Er fügte an, wenn etwas schiefgeht, wird schnell gefragt, warum der Kanton das zugelassen hat. Einig waren sich die Podiumsgäste darüber, dass Stiftungen heute Transparenz über ihre Mitteleinsätze nachweisen müssen. Doch sie warnten auch vor Überbetonung der Wirkungsmessung: Beziehungen und Vertrauen seien schwer quantifizierbar, aber entscheidend. Rass sieht die Zusammenarbeit als Schlüssel zur Wertschöpfung. Sie plädierte aber für klare Nischen und Arbeitsteilung, um administrative Lasten zu senken.
Zusammengefasst. Tue Gutes und sprich darüber. Stiftungen sollten mehr kommunizieren, über das, was sie tun. So forderte Eckhardt eine bessere öffentliche Wahrnehmung und ehrlichere Kommunikation ein – nicht nur Bilder von lächelnden Kindern im globalen Süden. Alle betonten: Koordiniertes Handeln und gegenseitiges Vertrauen sind zentral.


