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Soforthilfe beginnt vor der Katastrophe

Hilfe für von der Sturzflut betroffenen Menschen der Gemeinde Uttargaya im Rasuwa Distrikt, Bild: Helvetas Nepal

Nach der Katastrophe in Nepal haben Hilfsorganisationen noch am selben Tag erste Spendenaufrufe verschickt. Für die Soforthilfe sind diese Mittel unerlässlich. Doch es braucht mehr. Bestehende Netzwerke vor Ort sind notwendig, um die Lage überhaupt einzuschätzen.

Vor zwei Monaten, am 26. August ereignete sich in Nepal eine verheerende Flutkatastrophe. Fast in Echtzeit berichteten die Medien über die Ereignisse. Die Bilder und Videos zeigten die zerstörerische Wirkung der Sturzflut. Noch am selben Tag verschickten Hilfswerke erste Spendenaufrufe. Obschon die Organisationen vorhandene Mittel einsetzen können, sind die Spendengelder für ihre Arbeit entscheidend. Sie sind darauf angewiesen, um auf eine Katastrophe dieses Ausmasses angemessen reagieren zu können. Jürg Keim, Manager Medienstelle bei UNICEF, erklärt die Wichtigkeit der Spenden für die Soforthilfe. «Sie ermöglichen, rasch dort zu unterstützen, wo der Bedarf am grössten ist – etwa mit sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung, Schutz für Kinder und Unterstützung für Familien.» Die Spenden aus der Schweiz und Liechtenstein würden gerade in einer sich schnell verändernden Lage helfen und ein flexibles Eingreifen ermöglichen.

Hilfe ausweiten

Ähnlich tönt es bei Helvetas. Die Medienverantwortliche Katrin Hafner sagt: «Ohne Spenden wäre schnelle Nothilfe in diesem Umfang nicht möglich.» Erste Hilfsmassnahmen finanziert das Hilfswerk aus seinem Nothilfe-Fonds. «Spenden ermöglichen darüber hinaus, die Hilfe rasch auszuweiten und mehr betroffene Menschen zu erreichen, was nach einer Katastrophe mit solch immensem Ausmass und menschlichem Leid dringend nötig ist», sagt sie. Zudem seien Spenden oft Voraussetzung, um weitere Mittel von institutionellen Geldgebern zu erhalten.

Auch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) kann bei Katastrophen zwar rasch eigene Mittel einsetzen. Die Spendengelder ermöglichen jedoch die Ausweitung der Hilfe, wie Joëlle Etienne, Mediensprecherin des SRK, sagt. Und sie fügt an: «Gleichzeitig fliessen die eingesetzten Mittel wieder in die Nothilfereserven zurück. So stellen wir sicher, dass wir auch bei der nächsten Katastrophe schnell und wirksam reagieren können.»

Wann wird zum Spenden aufgerufen?

Für einen Spendenaufruf beurteilen die Organisationen die Situation. Eine wichtige Rolle spielen die Einschätzungen der Mitarbeitenden und des Netzwerks vor Ort. Aufgrund dieser Informationen können Organisationen eine Katastrophe schnell analysieren und beurteilen, welche Unterstützung benötigt wird. Innerhalb weniger Stunden entscheidet das SRK, ob es einen Spendenaufruf startet, wie Joëlle Etienne ausführt. Bei der Beurteilung der Situation sei zuerst die Frage zu beantworten: «Können wir als Rotes Kreuz eine wirksame Hilfe leisten?» Dies hängt von der benötigten Hilfe ab. Ausschlaggebend ist auch, ob eine lokale Präsenz vorhanden ist.

Auch bei UNICEF wird schnell entschieden. Nach der Flutkatastrophe in Nepal verschickte die Organisation noch am 26. August einen Newsletter zur Situation im Katastrophengebiet. «Unser Ziel ist es, schnell, aber verantwortungsvoll zu informieren – mit einem klaren Zweck und einer realistischen Darstellung dessen, was Hilfe bewirken kann», sagt Jürg Keim. Es soll keine «Alarmkommunikation» gemacht werden, sondern transparent darüber informiert werden, wofür gesammelt wird.

Netzwerke sind essenziell

Gleichzeitig läuft die Hilfe vor Ort an. Ab dem ersten Tag waren Helvetas und ihre Partnerorganisationen im Einsatz. «Dabei ging es zuallererst darum herauszufinden, welches die dringendsten Bedürfnisse der betroffenen Menschen sind und darum, die Hilfe mit den lokalen Behörden und anderen Organisationen abzustimmen», sagt Katrin Hafner. Bei den verschiedenen Organisationen zeigt sich, wie die Hilfe gerade in den ersten Tagen von den vorhandenen Netzwerken und Partnerorganisationen abhängt. Soforthilfe beginnt nicht mit der Katastrophe. Sie ist auf Vorbereitungsarbeiten angewiesen, um effektiv zu funktionieren. Diese sind essenziell für die Arbeit und die Beurteilung der Lage. Nur so ist die schnelle Soforthilfe möglich.

Auch UNICEF begann am ersten Tag nach der Katastrophe mit ersten Hilfeleistungen. Jürg Keim sagt: «In den ersten Stunden und Tagen liegt der Fokus darauf, die Lage zu verifizieren, die dringendsten Bedürfnisse zu priorisieren und die Hilfe danach gezielt zu skalieren.» Wie schnell die Hilfe vor Ort sichtbar wird, hängt von der Sicherheitslage, der Logistik und der Erreichbarkeit ab. Unterstützung in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene – sowie Gesundheits- und Ernährungshilfen wurden unmittelbar mobilisiert. Dank der bereits vor Ort vordisponierten Hilfsgüter konnten erste Lieferungen innerhalb von 24 Stunden verschickt und innerhalb von 48 Stunden in den betroffenen Gebieten verteilt werden.

Freiwillige vor Ort

«Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig Investitionen in Katastrophenvorsorge und Einsatzbereitschaft sind. Vorpositionierte Hilfsgüter, etablierte Partnerstrukturen und vorbereitete Abläufe ermöglichen es UNICEF, nach einer Katastrophe rasch zu handeln – auch wenn Verkehrswege beschädigt oder Versorgungssysteme vor Ort unterbrochen sind», sagt Keim. Auch das SRK war mit Partnern in Nepal vor Ort präsent. Es arbeitet mit dem Nepalesischen Roten Kreuz zusammen. Unmittelbar nach der Sturzflut wurden diesem technische und finanzielle Hilfe zur Verfügung gestellt. Aber nicht nur.

Joëlle Etienne ergänzt, dass es nicht nur um Geld geht. «Die wahre Stärke des Roten Kreuzes sind seine Freiwilligen», sagt sie. Sie gehören zu den Gemeinschaften. Entsprechend sind sie schnell vor Ort und helfen bei der Suche. Die Freiwilligen und Mitarbeitenden des Nepalesischen Roten Kreuzes unterstützen Familien bei der Suche nach vermissten Angehörigen. «Sie versorgen Menschen, die durch die Katastrophe vertrieben wurden, mit Wasser, Nahrungsmitteln und anderen lebenswichtigen Gütern. Sie arbeiten unter äusserst schwierigen Bedingungen, und viele von ihnen sind selbst direkt von der Katastrophe betroffen.» Die benötigte Hilfeleistungen enden auch nicht mit der Soforthilfe oder dem medialen Interesse. Die Spendengelder finanzieren nicht nur die Soforthilfe. Sie helfen, die Finanzierung flexibel zu gestalten. Jürg Keim sagt, dass UNICEF die Hilfe so am tatsächlichen Bedarf ausrichten kann, auch über die akute Phase hinaus.

Vielfältiges Engagement

In Nepal sind noch zahlreiche Organisationen mit unterschiedlichsten Projekten engagiert. Eine Auswahl von Organisationen bietet auch Spheriq auf Spendenschweiz.

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