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Vertrauen ist gut, Mut ist besser

Vertrauen und Mut: Zwei Dinge, die es für erfolgreiche Partnerschaften auf Augenhöhe braucht. Beim 15. Basler Stiftungstag herrschte allgemeiner Konsens, dass Vertrauen zentral ist für eine erfolgreiche Partnerschaft. Unterschiede zeigten sich bei der konkreten Umsetzung.

Das Stiftungswesen bestehe fast nur aus Vertrauen. Mit dieser Aussage nahm Conradin Cramer, Basler Regierungspräsident, in seinem Grusswort das Thema auf, das an diesem Tag immer wieder genannt wurde. Vertrauen. Stiften bedeute immer auch eine Wette auf die Zukunft, was kommende Generationen aus einer Idee machen, die heute jemand auf den Weg bringt. Dafür brauche es Mut, etwas umzusetzen, und Vertrauen darauf, dass die Destinatär:innen mit den Mitteln das Richtige tun. Vertrauen brauche es aber auch in den Staat und seine Rahmenbedingungen, sagte Cramer. Die Voraussetzungen dafür seien in der Schweiz und insbesondere in Basel gut. Der Austausch zwischen Stiftungssektor und Behörden funktioniere. Und als kleine Stadt habe Basel einen weiteren Vorteil. Man kennt sich. Am Ende sei das Zwischenmenschliche entscheidend.

Was Künstliche Intelligenz nicht kann

Dass dieser Faktor im Stiftungswesen weit mehr ist als eine Frage des Netzwerkens, wurde im Verlauf des Stiftungstages immer wieder deutlich. Gerade in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz Förderanträge und Zwischenberichte formulieren kann, gewinnt der persönliche Austausch an Bedeutung. Die Louise Aubry-Kappeler-Stiftung setzt deshalb bewusst auf Persönliches, wie Stiftungsratspräsident Thomas Gander ausführte. Von den Gesuchstellenden verlangt die Stiftung selbstgedrehte, nicht professionelle Videos. Reportings finden im persönlichen Gespräch statt. Vertrauen entsteht nicht allein auf Papier. Dazu gehört für Gander auch ein Förderverständnis, dass nicht auf Projekte fokussiert. Er plädierte für mehr ungebundene Mittel und eine Abkehr von der projektbezogenen Förderung. Diese verschaffe Stiftungen zwar die Möglichkeit, konkrete Reportings einzufordern. Gleichzeitig zwinge sie Organisationen dazu, Projekte zu konstruieren, um überhaupt eine Chance auf Fördermittel zu haben.

Auch Patricia von Falkenstein, Stiftungsrätin der Stiftung Martinskirche, stellte die gemeinsame Wirkung ins Zentrum. Die Stiftung könne ihr Ziel allein gar nicht erreichen. Das sei auch nicht der Sinn. Die Wirkung der Martinskirche entstehe erst durch die Kulturschaffenden, die dort ihre Werke zeigten. Eine gute Förderpartnerschaft beginnt mit einer einfachen Frage: Was wollen wir gemeinsam erreichen? Wie wichtig persönliche Beziehungen gerade in der Kulturförderung sind, schilderte Raphael Suter, Direktor der Kulturstiftung Basel H. Geiger. Das direkte Treffen mit Künstler:innen ist für ihn zentral. Und manchmal werde eine Partnerschaft direkt per Handschlag besiegelt, führte er aus.

Augenhöhe ist nicht immer symmetrisch

Gerade bei kulturellen Förderpartnerschaften zeigte sich das Spannungsfeld der Partnerschaften: Die Partner sind voneinander abhängig, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Förderpartnerschaften sind strukturell asymmetrisch, betonte Simone Staehelin, Leiterin Public Affairs & VIP-Relations des Sinfonieorchesters Basel. Die finanzielle Abhängigkeit sei real. Gleichzeitig seien Förderorganisationen auf jene Institutionen angewiesen, die ihre Projekte überhaupt umsetzen können. Eine Stiftung kann nicht selbst ein Konzert veranstalten. Augenhöhe ist für sie deshalb nicht zwingend das Wichtigste. Es gehe um Vertrauen, so Staehelin. Dafür brauche es mehr Mut: mehr Konzentration auf gemeinsame Werte und gesellschaftliche Wirkung.

Neue Perspektiven zulassen

Auch Annette Graul, Geschäftsführerin der Palatin Stiftung, hob ihre Dankbarkeit als Förderstiftung für jedes gute Gesuch hervor. Denn sie seien darauf angewiesen, dass gute Projekte an sie herangetragen würden. Ein Telefongespräch zu Beginn kann helfen, Chancen richtig einzuschätzen und eine wichtige Grundlage liefern. Die Stiftung sucht zudem nicht primär fertige Projekte. Vielmehr interessiert die Stiftung, was sich gemeinsam entwickeln lässt. Entscheidend ist dabei eine realistische Einschätzung der eigenen Ressourcen. Denn die Stiftung braucht Partner, die ein Vorhaben auch langfristig umsetzen können.

Eine weitere Perspektive brachte Marco Vencato, stellvertretender Direktor der Gebert Rüf Stiftung, ein. Er richtete den Blick auf Kooperationen zwischen mehreren Förderstiftungen. Als Beispiel nannte er den Innovationsfonds für multimedialen Journalismus, in dem verschiedene Stiftungen gemeinsam neue journalistische Formate fördern. Damit eine solche Allianz funktioniere, brauche es ein gemeinsames Förderziel, komplementäre Beiträge und eine klare Rollenverteilung. Partnerschaft bedeute also nicht, alles gemeinsam zu machen. Auch unter mehreren Förderorganisationen braucht es Vertrauen.

Wie wichtig neue Perspektiven und eine Öffnung des Blicks sind, zeigte bereits der erste Beitrag des Stiftungstages. Gastgeber Lukas Kundert, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, erzählte vom finanziellen und strategischen Turnaround der Kirche. Wegen weniger Kirchensteuereinnahmen aufgrund sinkender Mitgliederzahlen wollen sie nicht einfach Leistungen abbauen. Stattdessen wurden neue Finanzierungsquellen erschlossen und die eigenen Zielgruppen kritisch hinterfragt. Dabei zeigte sich: Die Kirche hatte lange nur einen vergleichsweise kleinen Teil jener Menschen erreicht, für die sie eigentlich da sein wollte.

Die ganze Vielfalt in wenigen Minuten

Rund 360 Vertreterinnen und Vertreter der Stiftungswelt kamen im Zentrum Johannes zusammen. Die Nachfrage war noch grösser. Einigen Interessen:innen musste abgesagt werden wegen der Kapazität der Lokalität. Den Tag eröffnete die Vizepräsidentin der Stiftungsstadt Basel Monika Wirth. Sie übernahm die Begrüssung der Gäste. Dafür übernahm David Jenny, der neu Präsident der Stiftungsstadt Basel ist, den Abschluss. Wie jedes Jahr fasste er in seinem bekannten Stil die Veranstaltung pointiert zusammen. Genauso traditionell wie das Schlusswort ist das Speeddating. Zehn Stiftungen stellten sich in kurzen Pitches auf der Bühne vor. Das Format zeigte in wenigen Minuten die Vielfalt des Sektors. In diesem Jahr reichte das Spektrum von etablierten Organisationen wie myclimate bis zur erst vor etwas mehr als einem Jahr gegründeten DentAgeCare.

Eine Erkenntnis zog sich durch den ganzen Tag. Partnerschaft auf Augenhöhe lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht dort, wo Stiftungen bereit sind, Verantwortung abzugeben, Organisationen Vertrauen entgegenzubringen und gemeinsam über die eigene Logik hinauszudenken. Der 16. Basler Stiftungstag findet am Dienstag, 31. August 2027, im Kunsthaus Baselland statt.

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