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1. August: Feiern und Tiere schützen

Unser Nationalfeiertag steht vor der Türe. Am Samstag kommen Menschen zusammen, um gemeinsam die Schweiz zu feiern. Traditionellerweise wird das Fest mit viel Feuerwerk gefeiert, auch privat: wobei in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit vielerorts Feuerwerk ganz verboten ist oder nur eingeschränkt stattfindet. Während viele Menschen das Spektakel geniessen, erleben Millionen von Tieren einen Alptraum. Katja Schönenberger, Geschäftsleiterin von VIER PFOTEN in der Schweiz, erklärt im Gespräch mit The Philanthropist, warum ein Umdenken dringend notwendig ist.

Das Leid der Tiere ist real und dokumentiert

Die Auswirkungen von Feuerwerkslärm auf Tiere sind belegt. «Zahlreiche Berichte von Tierhaltenden, Landwirt:innen, Tierärztinnen und Tierärzten und Mitarbeitenden von Wildtierstationen zeigen, dass Feuerwerk bei Heim-, Wild- und sogenannten Nutztieren regelmässig Angst, Stress, Orientierungslosigkeit und Panikfluchten auslösen kann», erklärt Katja Schönenberger. Bei Heimtieren äussert sich die Panik etwa durch starkes Angstverhalten, Zittern, Verstecken oder Fluchtversuchen, so Schönenberger. Noch kritischer ist die Situation bei landwirtschaftlichen Tieren: «Da viele landwirtschaftlich gehaltene Tiere Fluchttiere sind, reagieren sie besonders sensibel auf plötzliche Knallgeräusche und Lichtblitze» In der Folge könne es vorkommen, dass die Tiere fliehen, auszubrechen versuchen oder sich bei Panikreaktionen an Zäunen, Stallwänden oder anderen Hindernissen verletzen würden. Auch Wildtiere sind betroffen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen dies. Forschende konnten mit Hilfe von Wetterradardaten nachweisen, dass Hunderttausende Vögel in der Silvesternacht durch Feuerwerkslärm aufgeschreckt werden und teilweise bis in mehrere Hundert Meter Höhe auffliegen. Die Tiere würden innerhalb kurzer Zeit erhebliche Energiereserven verbrauchen. Sie aus ihren Ruhe- und Schlafgebieten vertrieben. Dabei brauchen die Tiere viel Energie.

Alternativen sind vorhanden 

Schönenberger betont: «Feiertagstraditionen und Tierschutz schliessen sich nicht aus». VIER PFOTEN empfiehlt deshalb auch konkrete Massnahmen: «Wir empfehlen den Kantonen und Gemeinden, auf besonders laute Feuerwerkskörper zu verzichten und tierfreundlichere Alternativen zu fördern. Dazu gehören beispielsweise Licht-, Laser- oder Drohnenshows sowie andere festliche Angebote, die ohne laute Knallgeräusche auskommen». 

Feiertagstraditionen und Tierschutz schliessen sich nicht aus!

Katja Schönenberger, Geschäftsleiterin von VIER PFOTEN in der Schweiz und Mitglied der Trägerschaft des Vereins «Für eine Einschränkung von Feuerwerk»

Für Privatpersonen gibt es ebenfalls Optionen: «Wer dennoch besondere Akzente setzen möchte, kann auf tierfreundlichere Alternativen zurückgreifen, die mit deutlich weniger oder gar keinem Lärm auskommen, beispielsweise Vulkane, Wunderkerzen, bengalische Feuer, römische Lichter oder Fackeln».

Trockenheit 1.August 2026 mit strengem Feuer- und Feuerwerksverbot

Allerdings besteht aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der extremen Hitze akute Waldbrandgefahr. Fast in der gesamten Schweiz gilt in diesem Jahr ein strenges Feuer- und Feuerwerksverbot. SRF hat hier einen Überblick publiziert. Damit wird sich zwangsläufig vielerorts zeigen, wie sich der 1. August ohne Feuerwerk feiern lässt.

Die Feuerwerksinitiative soll Abhilfe schaffen

Um den Missstand zu beheben, unterstützen VIER PFOTEN, der Schweizer Tierschutz STS und die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) als Trägerverein – gemeinsam mit der Fondation Franz Weber, die eidgenössische Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk». 

Die Abstimmung findet am 29. November 2026 statt.

Die Initiative verfolgt gemäss dem Trägerverein einen ausgewogenen Ansatz. Schönenberger sagt: «Die Initiative sieht kein generelles Verbot von Feuerwerk vor. Sie richtet sich gegen den privaten Gebrauch besonders lauter Feuerwerkskörper, die Leid bei Mensch und Tier verursachen. Öffentliche, zentral organisierte Feuerwerke sowie leisere Alternativen, wie zum Beispiel Vulkane, sind weiterhin möglich». Dies soll die negativen Auswirkungen auf Tiere, Menschen und die Umwelt deutlich reduzieren, ohne Verzicht auf festliche Traditionen verzichten zu müssen. Der Kern der Initiative liege darin, «zentral organisierte Anlässe mit einem kurz und klar definierten Zeitrahmen» den zahlreichen privaten Feuerwerken vorzuziehen. Dies ermöglicht es den Tierhalter:innen, entsprechende Schutzmassnahmen zu treffen. Die diffuse Belastung über Tage hinweg wird reduziert. Die Initiant:innen sehen keinen Widerspruch zwischen festlichen Traditionen und Tierschutz. Die gesetzliche Verankerung sei vielmehr eine Notwendigkeit: Eine Studie der gfs bern vom November 2024 zeigt denn auch, dass der Problemdruck in der Bevölkerung besteht. Umweltschutz und der Schutz der Tierwelt sind als ernstzunehmende Anliegen in der Stimmbevölkerung verankert. Die Bereitschaft von 63 Prozent, Alternativen wie Licht- oder Drohnenshows zu akzeptieren, bestätigt dies auch.

Die Umweltfrage

Über die Sinnhaftigkeit öffentlicher Feuerwerke allgemein und über das private Abfeuern von Feuerwerkskörpern im Speziellen wird auch aus Umweltschutzgründen seit vielen Jahren diskutiert. So schreibt das Bundesamt für Umwelt am 27. Juli 2026 auf der Homepage, dass in der Schweiz jährlich gemäss dem Bundesamt für Polizei (fedpol) zwischen 1000 und 2000 Tonnen Feuerwerkskörper verbraucht werden und daraus 200 bis 400 Tonnen Feinstaubemissionen entstehen würden. Das sind im Durchschnitt 2 bis 3 Prozent der jährlichen Feinstaubemissionen in der Schweiz. Und das Amt schreibt: «Je weniger Feuerwerk abgebrannt wird, umso geringer die Umweltbelastung.»

Je weniger Feuerwerk abgebrannt wird, umso geringer die Umweltbelastung.

Bundesamt für Umwelt der Eidgenossenschaft

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