Das Forum des Fondations, der alle zwei Jahre stattfindende Branchentreff der Philanthropie in der Romandie, war gut besucht. Im Zentrum standen die Rolle der Stiftungen im Verhältnis zum Staat und der Mut zu bewussten Entscheiden. Deutlich wurde: Wer gesellschaftliche Wirkung beansprucht, muss auch Transparenz und Verbindlichkeit ernst nehmen.
Rund 320 Vertreter:innen der Schweizer Stiftungswelt fanden sich Ende Mai im IMD Lausanne ein. Die neue Geschäftsführerin von SwissFoundations, Jasmina Ritz, eröffnete das Forum. Sie hob hervor, dass sich der Stiftungssektor derzeit stark verändere: Öffentliche Ansprüche, technologische Transformation und ein unsicheres Umfeld verlangten nach neuen Antworten.

Karikatur als Botschaft
Einen pointierten Auftakt bildete anschliessend der «freie Blick» des politischen Karikaturisten Patrick Chappatte, der mit scharfem Witz aktuelle Themen des Weltgeschehens und der Philanthropie kommentierte. Er zeigte einen präzisen, unzensierten Blick auf aktuelle gesellschaftliche Fragen. Karikaturen funktionieren wie eine moderne Flaschenpost, die Fragen aufwirft und Botschaften platziert. Als Präsident der Freedom Cartoonists Foundation vergibt Chappatte übrigens jährlich den internationalen «Kofi Annan Courage in Cartooning Award» für mutige Karikaturist:innen.
Im anschliessenden Podium diskutierte ein von Prof. Nicolas Duvoux moderiertes Panel die Zusammenarbeit zwischen Staat und Stiftungen. Unter dem Titel «Rückzug des Staats?» brachten Duvoux sowie Martine Brunschwig Graf, Philippe Demierre und Andrea Studer die Sichtweise von Staat und Stiftungen auf den Punkt.
Klare Rollen, rote Linien
Konsens war, dass Stiftungen keine originären Staatsaufgaben übernehmen dürfen, aber auch keine Projekte starten sollten, die sie später dem Staat überlassen. Martine Brunschwig Graf, ihrerseits Präsidentin der Fondation pour l’adaptation de la Genève internationale, forderte mehr Transparenz von den Stiftungen ein – Steuerbefreiung bringe klare Rechenschaftspflichten mit sich. Andrea Studer, Geschäftsführerin der Fondation Botnar, appellierte an den Mut der Stiftungen, konsequent für ihre Werte einzustehen und sich zugleich flexibel neu zu erfinden. Die veränderte Situation fordere auch neue Antworten – auch von Stiftungen. Der Fribourger Gesundheitsdirektor Philippe Demierre bestätigte: Auf solche neuen Antworten oder «Rechercheleistungen» sei der Staat tatsächlich angewiesen.
Insgesamt blieb der Eindruck, dass man sich in den Grundfragen einig ist, doch konkrete Ergebnisse müssen erst folgen. Ein gemeinsamer Plan für die künftige Zusammenarbeit wurde nicht präsentiert – nach den Worten sollten nun rasch Taten folgen.
Abgerundet wurde das Programm mit einer Vorstellung des neuen Stiftungsreports 2026 zum Stand 2025 sowie mit einigen Schlaglichtern auf juristische Streitfälle im Stiftungsumfeld, die vor Bundesgericht ausgetragen wurden, grossmehrheitlich Uneinigkeiten unter Stiftungsräten. Der Abschlussbeitrag – ein Gespräch zur Generationenvielfalt im Stiftungsrat – beleuchtete dieses Thema dann quasi präventiv. Louise Dermange, Stiftungsrätin bei der Fondation Leenaards, betonte die Bedeutung eines diversen Stiftungsrats mit unterschiedlichen Meinungen und guter Diskussionskultur.
Von Worten zu Taten

Insgesamt hinterliess das Forum den Eindruck, dass der Wille zu stärkerer Kooperation zwischen Politik und Stiftungswelt vorhanden ist, sich dieses Bündnis aber erst noch praktisch erweisen muss. Im abschliessenden Resümee hob SwissFoundations-Vorstandsmitglied Sabrina Grassi, Geschäftsführerin der Fondation Leenaards, dann nochmals hervor, man müsse nun auch zur Tat schreiten. Sie forderte die Teilnehmer:innen auf, die besprochenen Prinzipien binnen «100 Tagen» durch konkrete Schritte zu untermauern. Dann also: an die Arbeit!

