{"id":19606,"date":"2024-03-19T13:25:00","date_gmt":"2024-03-19T12:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/spheriq.ch\/blog\/?p=19606"},"modified":"2026-08-11T13:46:50","modified_gmt":"2026-08-11T11:46:50","slug":"vielfalt-braucht-vielfalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/spheriq.ch\/blog\/vielfalt-braucht-vielfalt\/","title":{"rendered":"Vielfalt braucht Vielfalt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"is-style-lead wp-block-paragraph\">Nur wenn die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette mitmacht, ist Vielfalt bei Landwirtschaftsprodukten m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer gr\u00f6sser, daf\u00fcr immer weniger: Die Entwicklung bei den Bauernbetrieben in der Schweiz geht genau in eine Richtung und immer weiter. 48\u2019344 Betriebe z\u00e4hlt das Bundesamt f\u00fcr Statistik f\u00fcr 2022. Seit Jahrzehnten ist diese Zahl r\u00fcckl\u00e4ufig. 1985 gab es in der Schweiz noch 98\u2019759 Bauernbetriebe. In derselben Zeit hat sich die bewirtschaftete Fl\u00e4che pro Betrieb in die Gegenrichtung entwickelt. Sie hat sich mehr als verdoppelt auf 21,6 Hektaren im Schnitt. Betriebe mit einer Fl\u00e4che von mehr als 30 Hektaren haben in dieser Zeit deutlich zugenommen, von knapp 4000 auf \u00fcber 11\u2019300. Umgekehrt gibt es nur noch 7000 Betriebe, die f\u00fcnf Hektaren und weniger bewirtschaften \u2013 1985 waren es noch \u00fcber 32\u2019000. Eine Entwicklung, der sich die Kleinbauern Vereinigung entgegenstellt. Die gemeinn\u00fctzige Bauern- und Konsument:innen-Organisation engagiert sich f\u00fcr mittlere und kleine Bauernbetriebe in der Schweiz.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright is-resized card-img-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/thephilanthropist.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Patricia-Mariani_low-300x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-38615\" style=\"width:200px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei geht es um den Erhalt der Vielfalt. In jeder Hinsicht. \u00abKleine Betriebe sind nicht per se nachhaltiger oder grosse weniger divers\u00bb, sagt&nbsp;<strong>Patricia Mariani, Co-Gesch\u00e4ftsleiterin.<\/strong>&nbsp;\u00abAber die<br>Vielfalt der Betriebe an sich ist ein wichtiger Wert, den es zu erhalten gilt.\u00bb Denn jeder Hof ist individuell und setzt andere Priorit\u00e4ten. Dagegen gleicht ein Gebiet, das von grossen Betrieben gepr\u00e4gt ist, einer industriellen Landwirtschaft und ist entsprechend aufger\u00e4umter.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"sortenvielfalt\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>Sortenvielfalt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft is-resized card-img-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/thephilanthropist.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Bela-Bartha_low-300x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-38600\" style=\"width:200px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vielfalt der Betriebe ist auch f\u00fcr&nbsp;<strong>B\u00e9la Bartha, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Pro Specie Rara (PSR),<\/strong>&nbsp;ein wichtiges Kriterium. Die Stiftung setzt sich f\u00fcr den Erhalt traditioneller Sorten ein. Damit eine diese Vielfalt \u00fcberhaupt gelingen kann, muss der Weg f\u00fcr den Anbau solcher Sorten erst geebnet werden. \u00abWir brauchen zuerst eine Vielfalt bei den Saatgutherstellern\u00bb, sagt&nbsp;er.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute gebe es nur ein paar wenige grosse Produzenten. Sie f\u00fcr Saatgut traditioneller Sorten zu gewinnen, ist schwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass in der Schweiz bis 2010 nur die in der offiziellen Sortenliste des Bundes aufgef\u00fchrten Sorten im grossen Stil angebaut und vermarktet werden durften.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"stark-reguliert\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>Stark reguliert<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abEs gibt wohl keinen Bereich, der so stark geregelt ist wie der Saatgutbereich\u00bb, sagt B\u00e9la Bartha und f\u00fcgt an: \u00abBevor wir \u00fcberhaupt \u00fcber mehr Diversit\u00e4t auf dem Feld sprechen k\u00f6nnen, brauchen wir auch die Produzenten, die bereit sind, die ben\u00f6tigten Saatgutmengen zu produzieren, und die entsprechenden Rahmenbedingungen, dass entsprechende Sorten angebaut werden d\u00fcrfen.\u00bb Er sieht deshalb die Bereitstellung eines vielf\u00e4ltigeren Sortenangebotes auch als gesellschaftliche Aufgabe. Heute gibt es neben den konventionellen auch alternative Anbausysteme, die besser geeignet sind, eine gr\u00f6ssere Sortenvielfalt in die Produktion zu integrieren. \u00abSie sollten einfach an das Saatgut verschiedenster Sorten in guter Qualit\u00e4t kommen.\u00bb Damit sich die Produktion von Saatgut einer Sorte rechnet, braucht es eine gewisse Menge. PSR erreicht dies, indem sie verschiedene Produkte derselben Sorte in unterschiedlichen Kan\u00e4len anbietet. Von PSR gibt es nicht nur die Tomate im Regal von Coop. PSR bietet dieselbe Tomatensorte ebenso als Setzling auf dem PSR-Markt oder als Samen im Baumarkt an. Dass die alten Sorten beim Grossverteiler erh\u00e4ltlich sind, ist nicht selbstverst\u00e4ndlich und auf den ersten Blick vielleicht auch fragw\u00fcrdig. \u00abF\u00fcr Europa ist diese Kooperation zwischen einem Grossverteiler und einer Erhalterorganisation wohl einzigartig\u00bb, sagt B\u00e9la Bartha. Er erachtet es f\u00fcr ihr Anliegen als enorm wichtig. Er sagt: \u00abMan kann in Sch\u00f6nheit sterben oder man setzt sich diesem Dialog aus.\u00bb PSR will die Diversit\u00e4t f\u00fcr ein breites Publikum verf\u00fcgbar machen. Dazu nutzt sie jeden Kanal, der sich ihr anbietet. Nur durch den Kontakt der Menschen mit der Vielfalt, beispielsweise bei ihrem t\u00e4glichen Einkauf, kann auch eine Nachfrage erzeugt werden. Und diese tr\u00e4gt schliesslich zur Wirtschaftlichkeit von traditionellen Sorten bei. Trotz aller Anstrengungen bleibt eine L\u00fccke, die \u00fcber die Wertsch\u00f6pfungskette finanziell schwierig zu f\u00fcllen ist: F\u00fcr den Sortenerhalt arbeitet PSR meist mit kleinen Saatgutmengen. \u00abWenn nun ein Landwirt Interesse an einer Sorte zeigt, m\u00fcssen wir erst das Saatgut hochvermehren\u00bb, sagt B\u00e9la Bartha. Das Vermehren eines Saatgutes bis zur erforderlichen Menge kann vier bis f\u00fcnf Jahre dauern. \u00abDas kann die Nachfrage ersticken\u00bb, sagt er. Deswegen m\u00fcsste PSR bereits zuvor von vielversprechenden Sorten eine angemessene Saatgutmenge produzieren und f\u00fcr allf\u00e4llig interessierte Produzenten bereithalten, damit diese sofort mit der Produktion f\u00fcr den Handel beginnen k\u00f6nnen. Zudem gibt B\u00e9la Bartha zu bedenken, dass die Produktion gr\u00f6sserer Saatgutmengen auch dazu beitr\u00e4gt, die Qualit\u00e4t der Sortenerhaltung zu steigern. Diese Vorinvestition l\u00e4sst sich durch den Handel nicht refinanzieren und deshalb ist ProSpecieRara u. a. auch hier auf Stiftungsunterst\u00fctzung angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"5600-sorten\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>5600 Sorten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Erhalt von \u00fcber 5600 traditionellen Sorten hat PSR mit ihrem Engagement gesichert. Dazu setzt sie auf ein Netzwerk von \u00fcber 500 ehrenamtlichen Sortenbetreuer:innen, Bauern und Saatgutproduzenten. Sie sorgen f\u00fcr den Erhalt \u00abon farm\u00bb (auf ihrem Hof oder in ihren G\u00e4rten). \u00abWir haben ca. ein Drittel aller Sorten jedes Jahr im Anbau\u00bb, sagt B\u00e9la Barta. \u00abJedes Jahr vermehrt unser Netzwerk die Sorten, erneuert damit das Saatgut und schickt einen Teil an die Zentrale in Basel zur\u00fcck.\u00bb Durch den wiederholten Anbau erhalten die Sorten die M\u00f6glichkeit, sich kontinuierlich an die sich stetig ver\u00e4ndernde Umwelt anzupassen. \u00abSorten passen sich sogar an die Vorlieben der einzelnen Z\u00fcchter an\u00bb, sagt er, \u00abdenn alle, die sich f\u00fcr uns engagieren, egal ob auf einem grossen Feld oder im Garten, w\u00e4hlen die Pflanzen, von denen sie sp\u00e4ter Samen gewinnen wollen, nach einem gewissen Bild, wie sie diese Pflanzen gerne h\u00e4tten, aus.\u00bb Diese individuellen Vorstellungen (Sortenbilder) sowie die Anbaumethoden pr\u00e4gen schliesslich das Aussehen und die Eigenschaften einer Sorte. Auch das regionale Klima spielt eine wichtige eine Rolle. In einem trockenen Jahr k\u00f6nnen sich Eigenschaften anders auspr\u00e4gen als in einem feuchten Jahr. So ver\u00e4ndert sich die Sorte stetig, auch wenn der Sortentyp durch st\u00e4ndige Auslese m\u00f6glichst erhalten bleiben soll. Die \u00abon farm\u00bb-Erhaltung ist damit etwas Dynamisches. \u00abDiese Dynamik und Anpassungsf\u00e4higkeit wollen wir in unseren Populationen miterhalten\u00bb, sagt B\u00e9la Bartha. Deswegen ist es f\u00fcr die Stiftung auch von Bedeutung, dass bei der Erhaltung viele Menschen mitwirken. PSR agiert hier nicht wie eine herk\u00f6mmliche Genbank, welche die Samen auch vermehrt, dann aber einfriert und dann nur alle 50 Jahre wieder aus dem Gefrierer rausholt und damit die stetige Anpassung an die Umwelt unterbindet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized card-img-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/thephilanthropist.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Altes-Wissen-bewahren__low-770x605.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-38388\" style=\"width:524px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Altes Wissen bewahren.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 id=\"spannende-perspektive\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>Spannende Perspektive<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vielfalt bei den Produzenten h\u00e4ngt von einer vielf\u00e4ltigen Abnehmerschaft ab. Viele der kleinen und mittleren Bauernbetriebe verkaufen ihre Produkte direkt an die Konsument:innen, aber genauso an das lokale Gewerbe wie kleinere Dorfk\u00e4sereien, Metzgereien oder Restaurants. Einige sind sogar genossenschaftlich organisiert. Dies erm\u00f6glicht, sich ein wenig vom generellen Preisdruck der Grossverteiler abzugrenzen. Der Direktverkauf hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Haben 2010 noch 7000 Betriebe ihre Produkte direkt an die Konsument:innen vertrieben, so waren es im Jahr 2020 schon 12\u2019600. Patricia Mariani ist \u00fcberzeugt, dass er gerade f\u00fcr kleinere Betriebe eine spannende wirtschaftliche Perspektive darstellt. \u00abF\u00fcr geringe Mengen kann ein Hofladen genau der passende Kanal sein\u00bb, sagt sie. \u00abEin grosser Hof hat deutlich mehr Menge. Der braucht mehr Frequenz, wenn er alles direkt absetzen m\u00f6chte.\u00bb Gerade in der Pandemie erfreuten sich die Hofl\u00e4den steigender Beliebtheit bei den Konsument:innen. Doch die Entwicklung zeigt auch die Grenzen des Kanals. Patricia Mariani weist darauf hin, dass Wunsch und Wirklichkeit zuweilen auseinanderklaffen. Denn nach der Pandemie ging die Nachfrage wieder zur\u00fcck. Die Gr\u00fcnde k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig sein. Der Besuch des Hofladens kann aufw\u00e4ndig und zeitraubend sein. Dennoch bieten alternative Kan\u00e4le Chancen. Abo-Angebote, bestellbar \u00fcber das Internet, bieten den Bauern die M\u00f6glichkeit, ihre Produkte regelm\u00e4ssig und direkt an die Konsument:innen zu liefern. Mit Gastronomieangeboten k\u00f6nnen die Bauernbetriebe ihre Ware zus\u00e4tzlich direkt auf dem Hof vermarkten.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"direkter-kundenkontakt\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>Direkter Kundenkontakt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neue Absatzkan\u00e4le bieten neue M\u00f6glichkeiten und stellen die Landwirt:innen vor neue Aufgaben. Patricia Mariani h\u00e4lt fest, dass der direkte Kundenkontakt dem Bauern auch liegen m\u00fcsse. \u00abDoch, wenn er das tut, hat er einen wichtigen Vorteil\u00bb, z\u00e4hlt sie auf. \u00abEr tritt in den direkten Austausch mit seinen Konsument:innen.\u00bb Diese k\u00f6nnen ihm Feedback und Wertsch\u00e4tzung geben. Und er erf\u00e4hrt mehr \u00fcber ihre Vorlieben und W\u00fcnsche \u2013 oder auch einmal Kritik. Vor allem werden Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion erlebbar. Sie bleiben keine theoretischen Begriffe. Das ist entscheidend. Damit die Konsument:innen die Vielfalt nachfragen, m\u00fcssen sie diese auch kennen. \u00abEine Ver\u00e4nderung des Konsumverhaltens ist nur so m\u00f6glich\u00bb, sagt B\u00e9la Bartha und verweist auf das Tomatensortiment in den Superm\u00e4rkten. Vor 20 Jahren waren die Tomaten gleichf\u00f6rmig rund und rot. Heute geh\u00f6ren Cherrytomaten, Fleischtomaten oder gelbe Sorten zum allt\u00e4glichen Erlebnis im Sortiment. Und selbst eine Coeur de Boeuf ist heute keine Exotin mehr. \u00abMan sagt, was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht\u00bb, sagt B\u00e9la Bartha. \u00abDas ist bei den Konsumenten, die gerade bei der Ern\u00e4hrung eher konservativ sind, h\u00e4ufig auch so. Das \u2039neue\u203a Unbekannte in Form traditioneller und oft vergessener Sorten wieder anzubieten, braucht daher sehr viel Kommunikations- und \u00dcberzeugungsarbeit auf m\u00f6glichst vielen Kan\u00e4len.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"datenbank-mit-wissen\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>Datenbank mit Wissen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau f\u00fcr dieses Wissen setzt sich&nbsp;<strong>Horst Lichtner, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Stiftung KEDA \u2013 Kulinarisches Erbe der Alpen<\/strong>&nbsp;ein. Diese betreibt das Culinarium Alpinum im Klostergeb\u00e4ude in Stans. Die Stiftung hat eine lebhafte Geschichte hinter sich. Erst 2016 gegr\u00fcndet, erlebte sie bereits einige Wechsel. Und Corona hat ihre Arbeit zus\u00e4tzlich erschwert. Jahrelang versuchten unterschiedliche Teams eine Struktur zu finden, die funktioniert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright is-resized card-img-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/thephilanthropist.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Horst-Lichtner_low-300x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-38606\" style=\"width:200px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch bin der dritte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in nur drei Jahren\u00bb, sagt Horst Lichtner. \u00abIch habe den Auftrag, alpine Kulinarik erlebbar zu machen.\u00bb Er zeigt sich optimistisch, dass die Entwicklung langsam, aber sicher in eine stabile Situation \u00fcbergeht. Doch die Aufgabe bleibt anspruchsvoll. \u00abEigentlich sind wir ein Start-up\u00bb, sagt er. Viele Projekte laufen. Das Culinarium Alpinum bewirbt sich etwa als Weltkulturerbe. \u00abDas Culinarium Alpinum ist eine sehr komplexe Geschichte. Wir haben einen Gastronomiebetrieb ins Kloster gebaut, leben regionale Kulinarik und wir sind daran, dies in Richtung alpine Esskultur weiterzuentwickeln\u00bb, sagt Horst Lichtner. Zudem ist das Team von Culinarium Alpinum daran, eine Wissensdatenbank aufzubauen. Noch stehen sie am Anfang. Aber der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zeigt sich begeistert. \u00abEs ist ein toller Weg\u00bb, sagt er, \u00abwir pflegen das Wissen der Regionalkulinarik, wir haben gewissermassen eine essbare Landschaft.\u00bb Dabei dreht sich das Wissen um alte Sorten, aber nicht nur. Genauso wertvoll ist das Wissen vom Anbau oder von der Zubereitung, wie es in \u00fcberlieferten Rezepten vorhanden ist. Doch dieses Wissen zu finden und \u00abhaltbar\u00bb zu machen ist anspruchsvoll. \u00abViel dieses Wissens ist irgendwo \u00fcberliefert, eventuell auch nur m\u00fcndlich. Genau dieses Wissen wollen wir erhalten\u00bb, sagt Horst Lichtner. Dies geht nur \u00fcber zahlreiche Interviews direkt mit den Menschen.<\/p>\n\n\n\n<h3 id=\"altes-ist-potenzial-fuer-neues\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>Altes ist Potenzial f\u00fcr&nbsp;Neues<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Wissen will das Culinarium Alpinum den Menschen zug\u00e4nglich machen. \u00abUnser Ziel muss es sein, die Leute neugierig zu machen\u00bb, sagt Horst Lichtner. Noch sieht er Nachholbedarf. Noch seien die Menschen zu wenig neugierig, so seine Einsch\u00e4tzung. Dabei gibt es unz\u00e4hlige Geschichten, die darauf warten, entdeckt und erz\u00e4hlt zu werden. Das Steigerungspotenzial ist enorm. Doch braucht es eine Verhaltens\u00e4nderung, um die Menschen f\u00fcr dieses Wissen zu begeistern. \u00abEine Verhaltens\u00e4nderung zu erreichen, ist mitunter das Schwierigste\u00bb, sagt er, \u00ababer wir m\u00fcssen den Mut haben, diesen Weg zu gehen.\u00bb Keine Ver\u00e4nderung sieht er nicht als Option. Schliesslich ist Essen ein bedeutender Teil im Leben. Jeden Tag verbringen wir Stunden mit Essen und Trinken. Es geht um Ern\u00e4hrung und Genuss, ein sehr emotionales Erlebnis. \u00abMit dieser Emotionalit\u00e4t k\u00f6nnen wir die Menschen abholen, begeistern, ihnen zeigen, dass es schmeckt, und sie riechen lassen\u00bb, sagt Horst Lichtner. Er fordert eine Abkehr vom Supermarkt-Denken, in dem jeden Tag Erdbeeren in der Auslage liegen, unabh\u00e4ngig von der Jahreszeit. Das habe man einst als kulturellen Fortschritt gepriesen. \u00abWir m\u00fcssen umdenken. Wir m\u00fcssen Teil des Umdenkens werden\u00bb, sagt er. \u00abNur so haben wir eine Zukunft f\u00fcr diesen Planeten.\u00bb B\u00e9la Bartha meint, dass die L\u00f6sungen f\u00fcr die Zukunft in den traditionellen Sorten aus der Vergangenheit gefunden werden k\u00f6nnen. Er weist darauf hin, dass einige alte Sorten Eigenschaften besitzen, die sie f\u00fcr neue Umweltbedingungen gar besser geeignet machen. Er denkt beispielsweise an Sorten aus dem Wallis oder dem B\u00fcndnerland, die kontinentale, trockene Sommer gewohnt sind. Alte Kohlsorten, die direkt \u00fcber dem Boden ausladende Grundbl\u00e4tter ausbilden und so das Unkrautwachstum behindern und zwischen Boden und Blatt f\u00fcr ein feuchtes Mikroklima sorgen, das sie vor Austrocknung sch\u00fctzt, oder Getreide mit grossem Wurzelwerk, das in kurzer Zeit viel Wasser und N\u00e4hrstoffe aufnehmen kann. Gerade diese Eigenschaften wurden aus Effizienzgr\u00fcnden h\u00e4ufig weggez\u00fcchtet, da sie durch k\u00fcnstliche D\u00fcngergaben und Bew\u00e4sserung ersetzt wurden. \u00abEs zeigt sich, die Pflege dieser alten Sorten macht Sinn. Es steckt viel Potenzial in ihnen, das unsere Ern\u00e4hrungssicherheit auch f\u00fcr die Zukunft garantiert.\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized card-img-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"804\" src=\"https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1024x804.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-19613\" style=\"width:735px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1024x804.png 1024w, https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-300x236.png 300w, https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-768x603.png 768w, https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-1536x1206.png 1536w, https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-2048x1608.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nur wenn die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette mitmacht, ist Vielfalt bei Landwirtschaftsprodukten m\u00f6glich. 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