{"id":16231,"date":"2019-11-13T18:12:00","date_gmt":"2019-11-13T17:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/spheriq.ch\/blog\/?p=16231"},"modified":"2024-12-11T18:14:24","modified_gmt":"2024-12-11T17:14:24","slug":"kulturfoerderung-von-anspruchshaltung-bis-zangengeburt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/spheriq.ch\/blog\/kulturfoerderung-von-anspruchshaltung-bis-zangengeburt\/","title":{"rendered":"Kulturf\u00f6rderung \u2013 von Anspruchshaltung bis Zangengeburt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large card-img-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"354\" src=\"https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Blog_Bilder_Kultur-1024x354.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-16232\" srcset=\"https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Blog_Bilder_Kultur-1024x354.png 1024w, https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Blog_Bilder_Kultur-300x104.png 300w, https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Blog_Bilder_Kultur-768x266.png 768w, https:\/\/spheriq.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Blog_Bilder_Kultur.png 1449w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wieso ben\u00f6tigt Kultur \u00fcberhaupt F\u00f6rderung? Kultur entst\u00fcnde bestimmt auch ohne F\u00f6rderanreize \u2013 aus intrinsischer Motivation Kulturschaffender. Aber derartige Kulturleistungen w\u00e4ren wohl weniger zahlreich, vielleicht auch von geringerer Qualit\u00e4t und Innovation. Und mit Sicherheit w\u00e4re die Kulturteilhabe ohne Subventionen, Stiftungsbeitr\u00e4ge, Sponsoring oder M\u00e4zenatentum nur f\u00fcr eine verschwindend kleine Gesellschaftsschicht erschwinglich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Das komplexe System der Kulturf\u00f6rderung und der heterogene F\u00f6rdermarkt in der Schweiz machen es f\u00fcr Projekttr\u00e4ger allerdings schwierig, ja fast unm\u00f6glich, bei der Mittelbeschaffung koordiniert und effizient vorzugehen. Auf der anderen Seite m\u00fcssen sich F\u00f6rderer mit zu vielen Gesuchen auseinandersetzen, die nicht mit ihren Richtlinien und F\u00f6rderzielen \u00fcbereinstimmen oder nicht die n\u00f6tige Qualit\u00e4t haben. Entsprechend werden von den diversen F\u00f6rderstellen allj\u00e4hrlich zehntausende von Unterst\u00fctzungsgesuchen abgelehnt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>In drei der f\u00fcnf Grundformen der Kulturfinanzierung (\u00d6ffentliche Hand, Sponsoren und M\u00e4zenatentum) sind die Verbesserungschancen gering \u2013 hier f\u00fchren wohl weiterhin nur K\u00e4rrnerarbeit und Klinkenputzen zum Erfolg. Zumindest im Stiftungsbereich aber will die Online-Plattform spheriq.ch nun f\u00fcr mehr Effizienz und Transparenz sorgen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Kultur und Kulturaffinit\u00e4t machen die Menschen zwar nicht besser oder wertvoller \u2013 aber bestimmt erf\u00fcllter und bereicherter. Es existieren jedenfalls starke Treiber f\u00fcr die grosse Bedeutung von Kultur in der heutigen Gesellschaft. Die Bedeutung spiegelt sich in der hohen Produktion und Konsumation von Kultur innerhalb eines besonderen Marktsegments, das sogar die neue Bezeichnung \u00abKreativwirtschaft\u00bb erhalten hat. In dieser, respektive im Kultursektor haben \u00abMarkt\u00bb und \u00abWirtschaft\u00bb dabei oft eine ganz andere Bedeutung als in der freien \u00abMarktwirtschaft\u00bb. Denn beim Kulturbetrieb in einem umfassend gedachten Sinn oszillieren \u00abZweckorientierung\u00bb und \u00abZiellosigkeit\u00bb oftmals. Indikatoren f\u00fcr den heutzutage hohen Stellenwert der Kultur finden sich nicht zuletzt im komplexen System der Kulturf\u00f6rderung mit seinen unterschiedlichen Akteuren und den zahlreichen Kultursparten, um die es sich k\u00fcmmert.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"kultur-ja-aber-wieso-kultur-foerderung\"  class=\"wp-block-heading\">Kultur ja \u2013 aber wieso Kultur-F\u00f6rderung?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wieso ben\u00f6tigt Kultur \u00fcberhaupt F\u00f6rderung? Kultur entst\u00fcnde auch ohne F\u00f6rderanreize, aus Eigenengagement der Kulturschaffenden. Aber Kulturleistungen w\u00e4ren ohne F\u00f6rderung wohl weniger zahlreich, vielleicht auch von geringerer Qualit\u00e4t und Innovation. Bestimmt w\u00e4re die kulturelle Teilhabe, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend breitere Gesellschaftsschichten einbezieht, ohne die Kulturf\u00f6rderinstrumente nicht m\u00f6glich. Ohne Beitr\u00e4ge der \u00d6ffentlichen Hand, Stiftungsbeitr\u00e4ge, Sponsoring, M\u00e4zenatentum und Crowdfunding (um die f\u00fcnf Grundformen von Kulturfinanzierung hier erstmals zu nennen) w\u00e4re Kulturproduktion bloss f\u00fcr eine verschwindend kleine Gesellschaftsschicht zug\u00e4nglich. Die Demokratisierung im Kulturwesen, die mit den gesellschaftspolitischen Umw\u00e4lzungen des 19. Jahrhunderts eingetreten ist, bedarf kontinuierlich pekuni\u00e4rer \u00abSchmiermittel\u00bb, um nicht wieder in den Zustand des v\u00f6llig Elit\u00e4ren und Luxuri\u00f6sen zur\u00fcckzufallen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"kultur-ist-vielfaeltig\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>Kultur ist vielf\u00e4ltig \u2026<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wer sich professionell mit dem Kulturbereich auseinanderzusetzen hat, sieht sich einer grossen Spartenvielfalt ausgesetzt, wie umgekehrt am anderen Ende des Stakeholder-Spektrums die Kulturkonsumenten aus einer breiten Angebotspalette ausw\u00e4hlen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Das Kulturschaffen ist vielgestaltig komplex. Ich mache hier eine Auflistung, die sch\u00f6pferische und wiedergebende Kulturt\u00e4tigkeiten gleichermassen einschliesst: Literatur inklusive \u00dcbersetzungen, Musik inklusive Komposition, Theater inklusive Regie, Tanz inklusive Choreografie, Film mit all seinen Beitr\u00e4ger-Disziplinen, Bildende Kunst mit ihren vielf\u00e4ltigen Techniken und Sparten, Museen und Sammlungswesen, Baukultur und Denkmalpflege, Gew\u00e4hrleistung architektonischer, technischer, organisatorischer Strukturen f\u00fcr das Betreiben von Kulturinstitutionen. Bei dieser Systematik handelt es sich um eine freie Abwandlung des NonproCons Kategorisierungssystems klassischer Stiftungen (NKS).<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"foerderung-ist-es-auch\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>\u2026 F\u00f6rderung ist es auch<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Diese Aufz\u00e4hlung bedarf noch der Erg\u00e4nzung durch die unterschiedlichen Ausformungen der F\u00f6rdermechaniken: Kulturf\u00f6rderung erfolgt \u00fcber mehrj\u00e4hrige oder gar unlimitiert wiederkehrende Subventionen, oder durch einmalige oder mehrfache Projektbeitr\u00e4ge, \u00fcber Preise oder \u00fcber Stipendien. Weitere wichtige Stichw\u00f6rter bei den Mechanismen sind: operative oder f\u00f6rdernde Kulturarbeit, fokussiert oder mit der \u00abGiesskanne\u00bb, \u00e0 fonds perdu oder als Darlehen, bei F\u00f6rderbekanntmachung oder als anonyme Spende etc. Ich mache diese Auflistungen, weil sie bei der nachfolgenden Darstellung der Mechanismen in der Kulturf\u00f6rderung strukturierend wirken sollen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"kulturfinanzierung-spielt-sich-in-fuenf-foerderwelten-ab\"  class=\"wp-block-heading\"><strong>Kulturfinanzierung spielt sich in f\u00fcnf F\u00f6rderwelten ab:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>1. \u00d6ffentliche Hand<\/strong><br>Die \u00d6ffentliche Hand \u2013 somit Bund, Kantone und Kommunen \u2013 deckt in der Regel das ganze Spektrum von Formaten ab, die ich oben aufgelistet habe. Ihre Verfassungen schreiben Kulturf\u00f6rderung verbindlich vor. Gesetze und Reglemente legen die F\u00f6rdermechanismen und die finanziellen und personellen Ressourcen fest. Auch wenn die diesbez\u00fcglichen Kompetenzen unterschiedlichen Departementen, \u00c4mtern oder Abteilungen zugeordnet sind (oder zum Teil in Lotteriefonds ausgelagert sind), befolgen die jeweiligen Gemeinwesen in sich konsistente F\u00f6rderpolitiken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2. Stiftungsbereich<\/strong><br>Im Stiftungsbereich ist zu unterscheiden zwischen den (operativen) Tr\u00e4gerschaftsstiftungen und den (f\u00f6rdernden) Vergabestiftungen. Stiftungsstatuten und daraus abgeleitete F\u00f6rderreglemente strukturieren die konkrete F\u00f6rdert\u00e4tigkeit. Die Beschaffenheit der jeweiligen Stiftung (insbesondere deren statutarischen Zielsetzungen und H\u00f6he der Mittelausstattung) definieren die Funktionsweise einer F\u00f6rderstiftung besonders stark. Sie kann nicht endlos viele F\u00f6rderzwecke erf\u00fcllen, weshalb Fokussierung Not tut. Eine Beschr\u00e4nkung auf wenige Kultursparten oder gar eine einzige kann zum Profil und zur F\u00f6rderqualit\u00e4t einer Stiftung beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>3. Corporate Sponsoring<\/strong><br>Das Corporate Sponsoring sieht sich als Kommunikations-Instrument und gehorcht ganz anderen Ziellogiken als die Stiftungen. Es ist naheliegend, dass die Selektion der gesponserten Projekte nach einem eigenen Raster erfolgt, n\u00e4mlich nach Kriterien, die Aussichten auf Steigerung von Umsatz und Gewinn des jeweiligen Sponsors bieten. Da auch sehr viele Kulturschaffende und Kulturinstitutionen sich durchaus vorstellen k\u00f6nnen, mit der Annahme von Sponsoringgeldern in einen Imageaustausch mit Sponsoren zu treten, und weil im Sponsoringbereich kumuliert halt hohe Summen locken, tritt ein problematischer Nebeneffekt ein: Sponsoren lehnen bis zu 99 Prozent der Gesuche ab, die an sie gerichtet werden. Sie erkennen kein erfolgversprechendes Kooperationspotenzial und keine ausreichende Zielkongruenz bei den angebotenen Projekten. Der Gesuchverkehr mit m\u00f6glichen Sponsoren erweist sich so als ein noch viel anspruchsvolleres Hamsterrad als jener mit den F\u00f6rderstiftungen. Dort sind immerhin Zusagequoten von einem Drittel bis zu zwei Dritteln verbreitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>4. M\u00e4zenatentum<\/strong><br>Beim M\u00e4zenatentum lassen sich derartige Aussagen erst gar nicht machen, da sich dieses Segment im Kulturf\u00f6rdermarkt statistisch kaum erfassen l\u00e4sst. M\u00e4zeninnen und M\u00e4zene im herk\u00f6mmlichen Sinne agieren eigenengagiert (aufgrund ihrer pers\u00f6nlichen Vorlieben und Anliegen) oder fremdmotiviert (aufgrund von F\u00fcrsprache durch Vertraute und Gew\u00e4hrsleute). Sie gehen dabei weitgehend unformalisiert vor, ausser sie haben ihr philanthropisches Handeln an eine Stiftung \u00fcbertragen, die dann wieder zum eher reglementierten oder technischen F\u00f6rdern neigen d\u00fcrfte. Da ja keine verl\u00e4sslichen Listen von m\u00e4zenatisch handelnden Personen bestehen, m\u00fcssen pers\u00f6nliche Netzwerke oder Family Offices etc. als potenzielle T\u00fcr\u00f6ffner angesprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>5. Crowdfunding<\/strong><br>Seit einem knappen Jahrzehnt ist Crowdfunding auch in der Schweiz ein Thema. Solche website-gest\u00fctzte \u00abSchwarmfinanzierung\u00bb, die im Grenzbereich von Spende und Anteilsschein, auch Subskription, angesiedelt werden k\u00f6nnte, erzielt in der Regel keine besonders hohen Geldbetr\u00e4ge. Aber Low-Budget-Projekte \u2013 insbesondere in gewissen Kultursparten \u2013 lassen sich \u00fcber online \u00abcrowd donating\u00bb schon mal vollumf\u00e4nglich finanzieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"optimierungs-bedarf-laesst-nicht-zwingend-auf-verbesserungs-potenzial-schliessen\"  class=\"wp-block-heading\">Optimierungs-Bedarf l\u00e4sst nicht zwingend auf Verbesserungs-Potenzial schliessen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die obenstehenden Schilderungen lassen betr\u00e4chtliche Ineffizienzen im vielf\u00e4ltigen \u2013 man k\u00f6nnte auch sagen: umst\u00e4ndlichen \u2013 Geflecht der Kulturf\u00f6rderung in der Schweiz erahnen. Zig-Tausende von Unterst\u00fctzungsgesuchen allein im Kulturbereich werden allj\u00e4hrlich durch die diversen F\u00f6rderstellen abgelehnt (oder einfach nicht weiterverfolgt, d.h. unbeantwortet auf die Seite gelegt). Hauptgr\u00fcnde sind mangelnde \u00dcbereinstimmung mit den Richtlinien der jeweiligen angeschriebenen F\u00f6rderinstitution, ungen\u00fcgende Qualit\u00e4t der eingereichten Gesuchunterlagen\/ Projekte oder schlicht und einfach die Tatsache, dass die F\u00f6rdermittel beschr\u00e4nkt sind (in diesen Tiefzinszeiten kein zu untersch\u00e4tzendes Ablehnungskriterium). So spielen sich viele Leerl\u00e4ufe ab \u2013 ungeachtet der deutlich verbesserten Informationspolitik der Stiftungen \u00fcber Websites in den letzten beiden Jahrzehnten (auf der einen Seite) und der merklichen Optimierung der Gesuchdossiers dank vieler einschl\u00e4giger Weiterbildungsangebote (auf der anderen Seite).<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"was-ist-gut-was-sollte-besser-werden\"  class=\"wp-block-heading\">Was ist gut? Was sollte besser werden?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Es ist also unbestritten, dass ein gr\u00f6sserer Optimierungs-Bedarf besteht. Nachfolgend meine \u00dcberlegungen dazu. M\u00e4zenatisches Handeln spielt sich im Bereich des privaten Spendens ab; dies schliesst in einem liberalen Staat jedwede Regulierung aus. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr das Sponsoring, per Definition Teil der Privatwirtschaft, was \u00fcbrigens auch f\u00fcr das m\u00e4chtige Migros-Kulturprozent gilt. Stiftungen resp. Stifter sind bei ihrer Gr\u00fcndung und dann bei ihrer Arbeit steuerbeg\u00fcnstigt resp. steuerbefreit; dies sofern sie gemeinn\u00fctzig orientiert sind. Unser Gemeinwesen \u2013 also die Gesellschaft von Steuerzahlern und Stimmb\u00fcrgern \u2013 hat deshalb ein legitimes Interesse an einer herausragenden Arbeit dieser Stiftungen (auch jener im Kulturbereich, die besonders unmittelbar in die \u00d6ffentlichkeit wirken). Daraus folgert, dass die Allgemeinheit bis zu einem bestimmten Grad ein \u00abAnrecht auf Kontrolle\u00bb hat, was durch die Stiftungsaufsichten auf den drei staatlichen Ebenen ja auch tats\u00e4chlich eingel\u00f6st wird. Die Kulturf\u00f6rderung durch die \u00d6ffentliche Hand auf den verschiedenen Staatsebenen untersteht einer guten demokratischen Kontrolle und ist recht transparent. Solches gilt auch f\u00fcr \u00abKulturf\u00f6rder-Agenturen\u00bb auf Bundes- und Kantonsebene (wie z. B. die Stiftung Pro Helvetia oder das Aargauer Kuratorium), aber nicht in jedem Fall bei den kantonalen Swisslosfonds. Ein erfolgreiches Zusammenspiel der genannten f\u00fcnf ganz unterschiedlich gearteten Formen im F\u00f6rdersystem ist f\u00fcr die Anspruchsgruppen, die auf Kulturf\u00f6rderung angewiesen sind, nur mit grossem Aufwand, mit Kreativit\u00e4t und mit viel Geduld zu erzielen. Netzwerke helfen; Frustrationstoleranz auch. In vielen F\u00e4llen gelingt Kulturfinanzierung nur mit Hilfe mehrerer Beitr\u00e4ger und mehrerer der f\u00fcnf Typen von F\u00f6rderern. Die Resultate einer solchen Finanzierungsmatrix, wie sie Fundraising-Handb\u00fccher und -Leitf\u00e4den empfehlen, lassen sich dann jeweils aus dem \u00abLogo-Salat\u00bb in der Werbung f\u00fcr Kulturprojekte herauslesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"limiten-beim-verbessern\"  class=\"wp-block-heading\">Limiten beim Verbessern<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Mittelbeschaffung f\u00fcr kulturelle Zwecke kann auch im Zeitalter des Internets und des Networking m\u00fchsame K\u00e4rrnerarbeit und nervenaufreibendes Klinkenputzen bedeuten. Indizien f\u00fcr eine wesentliche Verbesserung der Situation aus dem Blickwinkel der Kulturschaffenden und Gesuchstellenden sehe ich eigentlich nicht. Vor Jahren wurden in F\u00f6rdererkreisen Modelle f\u00fcr die Koordination der anschwellenden Flut von F\u00f6rdergesuchen diskutiert. So er\u00f6rterte in den neunziger Jahren \u2013 letztlich folgenlos \u2013 die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Kultureller Stiftungen (SAKS, 2001 aufgel\u00f6st) die Lancierung einer Art von Clearing-Stelle, die Gesuche mit F\u00f6rderern \u00abmatchen\u00bb sollte. In den Nullerjahren entstand im Netzwerk der damals noch jungen SwissFoundations eine Austauschplattform f\u00fcr Kulturgesuche. Sie konnte sich nicht durchsetzen. In den heutigen Zeiten der Gesuchformulare und der Online-Gesucheingabe (die eindeutige administrative Erleichterungen f\u00fcr die F\u00f6rderstellen, aber tendenziell Zusatzaufw\u00e4nde f\u00fcr die Gesuchsteller bringen) w\u00e4re es eigentlich ein Gebot der Stunde, dass entsprechende Fragebogen respektive Programme unter den diversen F\u00f6rderstellen m\u00f6glichst vereinheitlicht w\u00fcrden. Davon ist freilich wenig zu sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Koordinierung mit dem Ziel einer Optimierung l\u00e4sst sich im heterogenen F\u00f6rdermarkt auch aus ordnungspolitischen Gr\u00fcnden kaum erreichen. Fast kommt es einem vor als, als ob Mittelbeschaffung f\u00fcr Kulturprojekte weiterhin \u00abh\u00e4ndisch\u00bb ablaufen m\u00fcsse. Es gilt, die Websites der F\u00f6rderstellen des Bundes inkl. Pro Helvetia, der Kantone und der Kommunen abzuklappern und die jeweiligen F\u00f6rdermechanismen zu evaluieren. F\u00fcr die Lotteriefonds gilt \u00c4hnliches. Bei kantons\u00fcbergreifenden Projekten kann es sich lohnen, Vertreter der Konferenz der kantonalen Kulturbeauftragten (KBK) als F\u00fcrsprecher f\u00fcr \u00fcberregionale Finanzierungen (auch \u00fcber die Lotterien!) zu gewinnen. Vielleicht k\u00f6nnen auch informelle Kontakte mit Vertretern der St\u00e4dtekonferenz Kultur (SKK) oder des Forums Kultur und \u00d6konomie (FK\u00d6) interessant sein. Bei den Stiftungen ist die Situation angesichts ihrer schieren Masse und ihrer Heterogenit\u00e4t noch schwieriger. Ein zentrales, vollst\u00e4ndiges und kostenfreies \u00f6ffentliches Stiftungsverzeichnis existiert leider nicht, und die Recherche \u00fcber die Handelsregister\u00e4mter ist ja nach der Revision deren dezentralen Websites noch umst\u00e4ndlicher geworden. Es bleibt als L\u00f6sung die entgeltliche Nutzung von privaten Online-Stiftungsverzeichnissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Hier scheint aber Besserung in Sicht: das Online-Portal, auf dem dieser Beitrag erscheint, will die Mittelbeschaffung auch f\u00fcr Kulturprojekte vereinfachen und ein effizientes, koordiniertes Vorgehen erm\u00f6glichen. Ein Vorhaben, das zu begr\u00fcssen ist, und das ich aufmerksam verfolgen werde.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"literatur-verweise\"  class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Literatur-Verweise:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\">Elisa Bortoluzzi, Sponsoring. Der Leitfaden f\u00fcr die Praxis, 5. Auflage, Bern 2011.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Elisa Bortoluzzi Dubach, Stiftungen. Der Leitfaden f\u00fcr Gesuchsteller, erweiterte Auflage, Frauenfeld 2011.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Elisa Bortoluzzi Dubach, M\u00e4zeninnen. Denken-Handeln-Bewegen, Bern 2014.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Peter Buss, Fundraising. Grundlagen, System und strategische Planung, Bern 2012.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Anna Schindler, Christoph Reichenau, Zahlen, bitte! Kulturbericht 1999: Reden wir \u00fcber eine schweizerische Kulturpolitik, Bern 1999.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Michael Urselmann (Hrsg.), Handbuch Fundraising, Wiesbaden 2016.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Christoph Weckerle, Kreativwirtschaft Schweiz: Daten, Modelle, Szene, Basel 2008.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"online-links\"  class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Online-Links:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.wemaikeit.ch\/\">www.wemaikeit.ch<\/a><\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\"><a href=\"https:\/\/spheriq.ch\/de\/\">www.spheriq.ch<\/a><\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.kulturfoerderung.ch\/\">www.kulturfoerderung.ch<\/a><\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\"><a href=\"https:\/\/app.spheriq.ch\/generaltext\/kurzguide-nks\">NonproCons-Kategorisierungssystem klassischer Stiftungen (NKS)<\/a><\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.bak.admin.ch\/bak\/de\/home\/themen\/kulturstatistiken.html\">Taschenstatistik der Kultur in der Schweiz<\/a><\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.lokalhelden.ch\/blog\/Blog-Detailseite\/crowdfunding-schweiz~ba83.html\">13 Schweizer Crowdfunding-Plattformen im Vergleich \u2013 diese solltest du kennen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"bildlegende\"  class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Bildlegende<\/strong>:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">\u00abARTISTS ARE THE PUPPETS OF THE SPONORS\u00bb. Zeltinstallation des franz\u00f6sisch-d\u00e4nischen Konzeptk\u00fcnstlers Thierry Geoffroy (*1961) in der Ausstellung \u00abKonstruktion der Welt, Kunst und \u00d6konomie 2008-2018\u00bb in der Kunsthalle Mannheim (2018\/19). Foto: Benno Schubiger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wieso ben\u00f6tigt Kultur \u00fcberhaupt F\u00f6rderung? Kultur entst\u00fcnde bestimmt auch ohne F\u00f6rderanreize \u2013 aus intrinsischer Motivation Kulturschaffender. Aber derartige Kulturleistungen w\u00e4ren wohl weniger zahlreich, vielleicht auch von geringerer Qualit\u00e4t und Innovation. Und mit Sicherheit w\u00e4re die Kulturteilhabe ohne Subventionen, Stiftungsbeitr\u00e4ge, Sponsoring oder M\u00e4zenatentum nur f\u00fcr eine verschwindend kleine Gesellschaftsschicht erschwinglich. 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