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Was ist der dritte Sektor?

Neben Staat und Markt leistet auch der dritte Sektor einen entscheidenden Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Schweiz. Diese Organisationen handeln aus privater Initiative heraus, sie übernehmen Verantwortung und wirken dort, wo staatliche oder wirtschaftliche Logiken an Grenzen stossen.

Der dritte Sektor bezeichnet in der Schweiz Organisationen, die weder dem Staat noch dem gewinnorientierten Markt eindeutig zugeordnet werden können. Er umfasst NPOs oder NGOs wie Stiftungen und Vereine, die private Initiative mit gesellschaftlicher Zielsetzung verbinden und damit eine zentrale Rolle zwischen öffentlicher Hand und Wirtschaft einnehmen. In der Schweiz hat sich ein dichtes Netz zivilgesellschaftlicher Organisationen entwickelt, das den dritten Sektor bis heute prägt.

Das Drei-Sektoren-Modell: Staat, Markt und Zivilgesellschaft

Zur Einordnung des dritten Sektors wird häufig das Drei-Sektoren-Modell verwendet. beschreibt, wie gesellschaftliche Aufgaben und Leistungen grundsätzlich auf unterschiedliche institutionelle Logiken verteilt sind:

Erster Sektor: Staat
Öffentliche Körperschaften wie Bund, Kantone und Gemeinden. Sie handeln hoheitlich und finanzieren sich primär über Steuern und Abgaben.

Zweiter Sektor: Markt
Privatwirtschaftliche Unternehmen, die gewinnorientiert tätig sind und ihre Leistungen über Preise am Markt finanzieren.

Dritter Sektor: NPOs
Organisationen, die keine primär erwerbswirtschaftlichen Ziele verfolgen. Sie handeln aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus und stützen sich auf freiwilliges Engagement, Solidarität und Vertrauen.

Der dritte Sektor ist zwischen den zwei ersten Bereichen angesiedelt. Er versucht, typische Schwächen von Staat (bspw. Bürokratie) und Markt (bspw. Gewinnmaximierung) zu umgehen und gleichzeitig ihre Stärken wie Verlässlichkeit und gesellschaftliche Kontrolle zu verbinden. Dadurch können NPOs flexibel auf Bedürfnisse der Bevölkerung reagieren, die vom Staat nur schwer oder vom Markt nicht abgedeckt werden.

Dritter Sektor oder Nonprofit-Sektor?

Im Schweizer Sprachgebrauch werden die Begriffe dritter Sektor und Nonprofit-Sektor häufig synonym verwendet. Eine eindeutige, allgemein gültige Definition existiert jedoch nicht. Laut den Forschern Salamon und Sokolowski (2016) zählt der dritte Sektor zu den komplexesten Konstrukten des modernen gesellschaftlichen und politischen Diskurses.

Je nach fachlicher Perspektive werden bei der Begriffswahl unterschiedliche Akzente gesetzt: 

· Nonprofit-Sektor: wird vor allem in der Betriebswirtschaftslehre genutzt und fokussiert auf Organisationsformen und Managementfragen.
· Dritter Sektor: ist stärker in der Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft verankert und betont die gesellschaftliche Rolle zwischen Staat und Markt.

Wann gehört eine Organisation zum dritten Sektor?

Für internationale Vergleiche hat sich die sogenannte strukturell-operationale Definition etabliert, unter anderem im Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector Project (CNP). Laut diese zählt eine Organisation zum dritten Sektor, wenn sie diese fünf Kriterien erfüllt:

1. Organisationsgrad: Eine minimale formale Struktur ist vorhanden.

2. Privater Charakter: Institutionelle Trennung vom Staat.

3. Gewinnausschüttungsverbot: Gewinne dürfen erzielt, aber nicht verteilt werden.

4. Selbstverwaltung: Autonome rechtliche und organisatorische Steuerung.

5. Freiwilligkeit: Ehrenamt, freiwillige Mitgliedschaft oder freiwillige Finanzierung spielen eine Rolle.

Diese Kriterien decken sich weitgehend mit der in der Schweiz üblichen Abgrenzung von Nonprofit-Organisationen. Typische Schweizer Organisationsformen sind Vereine, Stiftungen und Genossenschaften. Inhaltlich reicht das Spektrum von Sport- und Kulturvereinen über soziale Einrichtungen und Bildungsinstitutionen bis hin zu Umweltorganisationen oder internationalen Hilfswerken.

Wie gross ist der dritte Sektor in der Schweiz?

Lange Zeit war der dritte Sektor statistisch nur unvollständig erfasst. Erst durch das Comparative Nonprofit Sector Project wurden 2010 erstmals systematische Daten zur Anzahl der Organisationen, zur Beschäftigung und zur wirtschaftlichen Leistung erhoben. Diese Zahlen sind zwar nicht mehr aktuell, zeigen aber die strukturelle Bedeutung des Sektors:

· Rund 90’000 Nonprofit-Organisationen waren in der Schweiz tätig.
· Der dritte Sektor trug je nach Berechnung rund 4,7 % des Bruttoinlandsprodukts bei.
· Der Sektor beschäftigte über 180’000 Vollzeitstellen.
· Hinzu kamen rund 80’000 Vollzeitstellen an ehrenamtlicher und freiwilliger Arbeit.

Ein besonderes Merkmal der Schweiz ist zudem die hohe Stiftungsdichte:

· Kanton Basel-Stadt: 45,1 Stiftungen pro 10’000 Einwohner:innen (mit Abstand am höchsten)
· Kanton Glarus: 29,2 Stiftungen
· Kanoton Zug: 25,7
· Kanton Graubünden: 25,3
· Kanton Aargau: 7 Stiftungen (die geringste Dichte)

Wieso ist der dritte Sektor für die Schweiz zentral?

Diese Daten machen deutlich, dass der dritte Sektor ein relevanter volkswirtschaftlicher Faktor ist für die Schweiz. Der Sektor ist deutlich grösser als oft angenommen und ohne freiwilliges Engagement in dieser Form gar nicht denkbar. 

Der dritte Sektor ist also Ausdruck einer aktiven Zivilgesellschaft. Er ermöglicht Beteiligung, wo Menschen Verantwortung übernehmen wollen. Er schliesst Lücken in der Versorgung und reagiert flexibel auf neue gesellschaftliche Herausforderungen. In einem Land, das stark auf Eigenverantwortung und zivilgesellschaftliches Engagement setzt, ist der dritte Sektor ein tragender Pfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts.


Wie können Sie den dritten Sektor unterstützen?

➤ Durch ehrenamtliches Engagement

Durch Spenden auf SpendenSchweiz

➤ Durch Förderbeiträge

➤ Durch Kooperationen zwischen Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft

Auf SpendenSchweiz finden Sie Projekte, Stiftungen und Vereine für eine unkomplizierte Spende oder Sie können gleich Ihre eigene Spendenaktion starten.


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